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Dr. Jutta Weber

Handschriftenabteilung / Leiterin des Referats Nachlässe und Autographen Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
Stellvertr. Leiterin

Nachlässe im Netz: neue Verantwortung und neue Rolle für Bibliotheken, Forschung und Verlage

Zusammenarbeit von Bibliotheken (die die Quellen verwahren), Forschern (die die Quellen bearbeiten) und Verlagen (die die Quellen präsentieren) fand bisher wenig statt. Dabei ist es so einfach:

1.
Bibliotheken stellen ihre Quellen, versehen mit erschließenden Metadaten, frei im Internet zur Verfügung. Dabei arbeiten sie zusammen mit Fachwissenschaftlern, die ebenfalls elektronisch ihr Wissen in gemeinsame Datenpools einspeichern. Voraussetzung ist, dass jeder, der etwas damit arbeiten möchte, die Quellen nebst Metadaten für weitere eigene Forschungsvorhaben verwenden kann. Dabei entstehen auch neue interdisziplinäre Forschungsansätze. Um bestimmte Aspekte dieser gemeinsamen Präsentation besser aufbereitet vertreiben zu können, benötigen Bibliotheken und Forscher auch in Zukunft Verlage, denn nur diese können, ebenfalls in Verbindung mit der Forschung, Fragestellungen „herausfiltern“.
2.
Die Beteiligten (Bibliotheken, Forscher, Verlage) müssen ihre Rollen neu und zwar miteinander definieren: Wer braucht welche Information in welcher Form, wer ist für welche Information verantwortlich? Durch die Verwendung von gemeinsamen Standards (Normdaten sind dafür ein besonders gewichtiges Beispiel) kann eine neue Form gemeinsamer Verantwortung für die Bewahrung von Wissen entstehen.
3.
Geldgeber und Wissenschaftsorganisatoren müssen sich auf diese neue Form wissenschaftlicher Arbeit einstellen. Ziel ist die großartige Möglichkeit, Wissenschaft ohne die einengenden Begrenzungen der eigenen Disziplin und der eigenen Einrichtung im Interesse neuen Erkenntnisgewinns zukunftweisend gemeinsam zu erproben.

Am Beispiel des Projektes „Erschließung des Nachlasses Adelbert von Chamisso“ lässt sich das skizzierte Vorgehen zeigen. Hier werden formale Erschließung, inhaltliche Erschließung und Digitalisierung so ausgeführt, dass

a)  jedes Dokument im Netz gefunden wird,

b)  jedes Dokument in digitaler Kopie sichtbar wird,

c)   die internen Beziehungen der Dokumente untereinander und mit anderen Dokumenten aus anderen Nachlässen nachvollziehbar
      werden.

Ich wünsche mir, dass ein Verlag diese Daten neu bündelt, in neue Zusammenhänge stellt, diese elegant aufbereitet und dann auch verkauft. Das heisst, ein Geldgeber muss sowohl die Arbeiten in der Bibliothek als auch in den Forschungseinrichtungen bezahlen, ein Verlag kann zwar Rechte an der Zusammenstellung ausgewählter Daten erhalten, grundsätzlich bleiben jedoch alle Daten in der Bibliothek kostenlos weiterverwendbar. Also: Bibliotheken stellen Information kostenlos zur Verfügung, Forscher arbeiten daran mit, und Verlage stellen, auch in Zusammenarbeit mit Forschern, attraktive Pakete zusammen, die kostenpflichtig sind, da hier zusätzliche Informationen erarbeitet werden müssen.

Kurzbiografie

1971
Abitur am Humanistischen Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasium Wuppertal

1976
1. Staatsexamen (Latein, Romanistik)

1980
Promotion (Latein)

1982
2. Staatsexamen an der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz

Seitdem Mitarbeiterin der Staatsbibliothek zu Berlin, seit 2004 stellvertr. Leiterin der Handschriftenabteilung, Leiterin des Referats Nachlässe und Autographen

Lehrveranstaltungen an der Freien Universität, an der Fachhochschule Potsdam, Lehrauftrag an der Humboldt-Universität sowie an der Bayerischen Bibliotheksschule München zum Thema Nachlässe und historische Drucke

Vorsitzende der LIBER Manuscripts Expert Group

Mitglied des CERL Executive Committee

Sprecherin der KOOP LITERA Deutschland