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Alexander Haffner

Deutsche Nationalbibliothek

Kollaborativer Aufbau semantischer Netze – Gegenwart oder Zukunft?

Digitale Publikationen bereichern unser Leben Tag für Tag. Das Web bietet eine Fülle an Angeboten zu Wissenschaft, Kultur, wie auch im Unterhaltungsbereich. Nicht nur das Archivieren all dieser Ressourcen stellt eine Herausforderung dar, mit stetiger Zunahme der Anzahl an Publikationen gestaltet sich deren Auffindung immer schwieriger. Erschließungsinformationen und Metadaten für deren Bereitstellung und Transport sind der Schlüssel zur Lösung – entscheidend ist die Qualität dieser Informationen. Dem Gedanken semantischer Vernetzung folgend gilt es, Informationen vernetzt bereitzustellen: der Verlag als Web-Ressource muss mit all seinen Publikationen verlinkt sein; ein Wissenschaftler will sich eindeutig als Autor seiner Publikationen wiederfinden; weiterführende Informationen im Social Web müssen dem richtigen Werk zugeordnet sein.

Bibliotheken verwenden seit vielen Jahren Normdaten, um der eindeutigen Identifizierbarkeit von Beteiligten sowie inhaltserschließenden Angaben nachzukommen. Die Gemeinsame Normdatei umfasst derzeit rund 10 Mio. Eintragungen zum Nachweis von Personen, Körperschaften, Schlagwörtern, Werken etc. Diese Quantität wie auch die Qualität sind nur durch kollaborative Pflege erreichbar. Die Kollaboration zwischen Bibliotheken ist über Jahre aufgebaut und etabliert worden. Allerdings verlangen die rasante Zunahme von digitalen und nicht-digitalen Publikationen und vor allem die gestiegene Anforderung nach Eindeutigkeit und Vernetzung nach Mitwirkung weiterer Akteure bei der Normdatenpflege und –nachnutzung.

Organisatorische sowie technische Hürden stehen domänenfremden Akteuren teilweise noch im Weg, um eine aktive Mitwirkung und Nachnutzung der GND in die Tat umzusetzen. Auf Bibliotheken zugeschnittene Redaktionskonzepte und Regelwerke, hochkomplexe Formate wie MARC 21, Schnittstellen wie OAI sind in der Bibliotheksdomäne Tagesgeschäft, für externe Akteure jedoch oft ein schwer zu durchschauendes Konstrukt.

Das Forschungsprojekt „Institutionenübergreifende Integration von Normdaten“ (IN2N) verfolgt den Ansatz, domänenfremde Akteure durch ein einfaches Kooperationsmodell einzubeziehen. Simple Lese- und Schreiboperationen, Verzicht auf hochkomplexe Datenformate zugunsten selbsterklärender Strukturen wie auch Mechanismen, die fehlerhafte Eingaben vermeiden, sollen die Attraktivität ursprünglich bibliothekarischer Normdaten erhöhen.

Semantische Netze im Web sind darauf ausgelegt, durch unterschiedlichste Domänen genutzt zu werden, was die Mitwirkung dieser als Akteure beim Aufbau der Netze verlangt. Metadaten, die auf nur eine Domäne zugeschnitten sind, erhöhen die Informationsqualität des Netzes punktuell, die domänenübergreifende Nutzung muss jedoch in einer Form geschehen, die keinen der Akteure an der Teilhabe ausschließt. Die durch uns vertretene These ist: es gibt nicht die eine Zugriffslösung für alle. Für Kollaboration sind einerseits Vereinfachungen und Kompromisse notwendig, andererseits ausgefeilte Standards innerhalb gewisser Nutzerkreise. Das Zusammenspiel führt zu der angestrebten Quantität und Qualität, um digitale Publikationen im vernetzten Web eindeutig nachweisbar und somit verfügbar zu machen.

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Kurzbiografie

Alexander Haffner works as project manager at the German National Library. He is responsible for the research project Cross-institutional Authority Collaboration (Institutionenübergreifende Integration von Normdaten, IN2N) which aims to establish new collaboration models to improve cross-domain authority maintenance. Before the project, he was strongly engaged in the development of the German National Librarys’ Linked Data Service and the specification of the GND Ontology. His career as computer scientist started at the chair of Human Computer Interaction at the Dresden University of Technology.