Logo HU Berlin
Logo FU Berlin Logo Xinnovations

Impulse

zur Übersicht

Dr. Michael Lailach

Sammlung Buch- und Medienkunst, Kunstbibliothek, Staatliche Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz

Das Archiv der Avantgarden - Die digitale Öffnung des Archivs

Vortrag zur Fachtagung vom 6. Oktober 2015

Das Archiv der Avantgarden des Sammlers Egidio Marzona, das seit 2002 in Teilen in der Kunstbibliothek aufbewahrt und aufgearbeitet wird, ist eine historisch in sich abgeschlossene Sammlung zur Geschichte der Avantgarden des 20. Jahrhunderts mit weit über 500.000 Objekten. Unter „Avantgarde“ ist das kommunikative Netzwerk von Künstlern, Kuratoren, Galeristen und Verlegern zu verstehen, die mit dem Anspruch auftraten, eine neue Kunst und zugleich eine neuartige Positionierung der Kunst in der Gesellschaft durchzusetzen. Das Archiv umfasst alle Medien künstlerischer Artikulation: Neben Skulpturen, Bildern und Möbeln, Zeichnungen, Collagen, Filmen und Fotografien finden sich auch umfangreiche Korrespondenzen, Einladungskarten, Prospekte, Bücher, Kataloge, Manifeste, Zeitschriften und Plakate.

Die Kunst der 60er Jahre wurde als Impossible Art bezeichnet, da sie „unmöglich für Sammler zu sammeln, unmöglich für Museen zu präsentieren, unmöglich für Händler zu verkaufen, unmöglich für Kritiker zu bewerten sei.“ Kunst konnte ebenso eine rohe Erdaufschüttung, eine Geste oder Aktion als auch eine Fotografie, ein Plakat, ein Film, ein Text oder ein Buch sein. Das Archiv reflektiert in seiner Ordnung die innovativen medialen Strategien der Künstler, in denen sich die Grenzen zwischen Kunstobjekt und seiner Dokumentation auflösen. Damit stellt sich die Frage nach einer digitalen Öffnung des Archivs in Form einer Re-Kontextualisierung der künstlerischen Arbeit, dem Verknüpfen und Visualisieren der dokumentierten Objekte, Ereignisse, Orte und Personen.

Kurzbiographie

Dr. Michael Lailach (Jahrgang 1969) ist Kurator und wissenschaftlicher Mitarbeiter der Kunstbibliothek – Staatliche Museen zu Berlin. Nach dem Studium in Tübingen, Viterbo (Italien) und Berlin promovierte er im Jahr 2000 im Fach Kunstgeschichte an der Universität Tübingen. Seit 2002 leitet er in der Kunstbibliothek die Sammlung Buch- und Medienkunst mit über 20.000 illustrierten Büchern und Künstlerbüchern und das umfangreiche Archiv der Sammlung Marzona mit Büchern, Zeitschriften, Einladungskarten, Plakaten, Schallplatten, Filmen, Briefen und Fotografien der Kunst der 60er und 70er Jahre. In seinen Ausstellungen und Publikationen stand das Thema „Avantgarde“ und ihre innovativen medialen Strategien im Mittelpunkt, etwa Poetry Intermedia (2002), Based on Paper (2007), High Fidelity – Künstlerschallplatten (2008), Welt aus Schrift (2010), Avantgarde! (2014) und zuletzt Jean Dubuffet (2015).